Wenn Muskeln Schmerzen ausstrahlen
Was hinter myofaszialen Triggerpunkten steckt
Schmerzen im Nacken oder an der Schulter entstehen nicht immer genau dort, wo sie wahrgenommen werden. Manchmal liegt die eigentliche Schmerzquelle in der Muskulatur – und sogar an einer anderen Stelle als der Schmerz selbst. Eine mögliche Ursache sind sogenannte myofasziale Triggerpunkte.
Solche lokal begrenzten, druckempfindlichen Bereiche innerhalb der Muskulatur können nicht nur unmittelbar schmerzen, sondern Beschwerden auch in andere Körperregionen übertragen. Gerade im Schulter-Nacken-Bereich kann das die Suche nach der Ursache erschweren.
Dr. med. Christopher Topar, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie bei ORTHO EINS in Berlin-Dahlem, ordnet solche Beschwerden deshalb nicht allein danach ein, wo der Schmerz empfunden wird. Entscheidend ist, welche Strukturen tatsächlich an der Entstehung beteiligt sind.
Was sind myofasziale Triggerpunkte?
Triggerpunkte sind besonders empfindliche Bereiche innerhalb eines Muskels beziehungsweise der zugehörigen Faszienstrukturen. Häufig lassen sich innerhalb der Muskulatur verhärtete oder verspannte Bereiche ertasten, die auf Druck schmerzhaft reagieren können.
Charakteristisch ist, dass der ausgelöste Schmerz nicht auf die unmittelbar betroffene Stelle begrenzt bleiben muss. Durch Druck oder Belastung eines Triggerpunktes können Beschwerden an einer anderen Stelle auftreten.
Dieses Phänomen wird als übertragener Schmerz oder „referred pain“ bezeichnet.
Das unterscheidet Triggerpunkte von einer gewöhnlichen vorübergehenden Muskelverspannung. Gleichzeitig gilt: Nicht jede tastbare Muskelverhärtung ist automatisch ein behandlungsbedürftiger Triggerpunkt und nicht jeder Nacken- oder Schulterschmerz hat eine myofasziale Ursache.
Warum kann ein Muskel an einer anderen Stelle Schmerzen verursachen?
Unser Nervensystem kann Schmerzsignale nicht immer exakt der Struktur zuordnen, in der sie entstehen. Bei myofaszialen Triggerpunkten können deshalb typische Ausstrahlungsmuster auftreten.
Ein Triggerpunkt im Schulter-Nacken-Bereich kann beispielsweise Beschwerden verursachen, die nicht nur unmittelbar im betroffenen Muskel wahrgenommen werden. Je nach beteiligter Muskulatur können Schmerzen in benachbarte Bereiche des Nackens oder der Schulter und teilweise auch in weiter entfernte Regionen ausstrahlen.
Für Betroffene ist das zunächst irritierend: Die Stelle, die schmerzt, muss nicht zwangsläufig die Stelle sein, an der die Ursache liegt.
Genau deshalb reicht es bei wiederkehrenden oder länger bestehenden Beschwerden häufig nicht aus, ausschließlich die schmerzende Region zu betrachten.
Welche Muskeln spielen bei Nacken- und Schulterbeschwerden häufig eine Rolle?
Der Schulter-Nacken-Bereich besteht aus zahlreichen Muskeln, die eng zusammenarbeiten. Sie stabilisieren Kopf, Halswirbelsäule und Schultergürtel und ermöglichen gleichzeitig eine große Beweglichkeit.
Besonders stark beansprucht werden diese Strukturen beispielsweise bei langem Sitzen, Bildschirmarbeit, einseitigen Bewegungen oder bestimmten sportlichen Belastungen.
Zu den Muskeln, in denen sich myofasziale Triggerpunkte entwickeln können, gehören unter anderem der Trapezmuskel sowie der Schulterblattheber. Auch weitere Muskeln des Schultergürtels können beteiligt sein.
Dabei ist selten eine einzelne Alltagshaltung allein verantwortlich. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen: wiederholte Belastung, fehlende Belastungswechsel, ungewohnte Beanspruchung oder eine unzureichend belastbare Muskulatur.
Warum kommen die Beschwerden manchmal immer wieder?
Wer einen verspannten Nacken hat, kennt häufig den kurzfristig angenehmen Effekt von Wärme oder Massage. Bei manchen Beschwerden reicht das bereits aus.
Kehren die Schmerzen jedoch regelmäßig zurück, lohnt sich ein genauerer Blick auf mögliche Auslöser.
Eine lokale Behandlung kann zwar vorübergehend die Muskelspannung und die Beschwerden beeinflussen. Bleibt die zugrunde liegende Belastungssituation bestehen, können die Probleme jedoch erneut auftreten.
Deshalb gehört zur Behandlung myofaszialer Beschwerden nicht nur die Frage „Wo tut es weh?“, sondern auch:
- Welche Bewegungen oder Belastungen lösen die Beschwerden aus?
- Gibt es wiederkehrende einseitige Belastungen?
- Wie beweglich sind Schulter und Halswirbelsäule?
- Gibt es muskuläre Schwächen oder Dysbalancen?
- Liegt tatsächlich ein myofasziales Problem vor oder steckt eine andere orthopädische Ursache dahinter?
Gerade der letzte Punkt ist wichtig.
Verspannung oder etwas anderes? Nicht jeder Schmerz ist muskulär
Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich werden im Alltag schnell als „Verspannung“ bezeichnet. Medizinisch können jedoch sehr unterschiedliche Ursachen dahinterstehen.
Beschwerden können beispielsweise von der Halswirbelsäule, Gelenken, Sehnen oder Nervenstrukturen ausgehen. Auch konkrete Schultererkrankungen können Schmerzen verursachen, die von Betroffenen zunächst als muskuläres Problem wahrgenommen werden.
Umgekehrt können myofasziale Triggerpunkte Beschwerden erzeugen, deren Ausstrahlung zunächst an eine andere Ursache denken lässt.
Bei ORTHO EINS steht deshalb vor einer gezielten Triggerpunktbehandlung die orthopädische Einordnung der Beschwerden. Dr. Christopher Topar beurteilt dabei unter anderem Schmerzverlauf, Beweglichkeit und klinischen Befund, um mögliche myofasziale Schmerzquellen von anderen Ursachen abzugrenzen.
Die Diagnose „Triggerpunkt“ sollte also nicht allein deshalb gestellt werden, weil ein Muskel verspannt oder druckempfindlich ist.
Was kann man bei muskulären Beschwerden selbst tun?
Bei vorübergehenden muskulären Beschwerden können einfache Maßnahmen bereits hilfreich sein. Dazu gehören vor allem regelmäßige Bewegung und Belastungswechsel.
Wer beispielsweise viele Stunden am Schreibtisch verbringt, profitiert meist stärker davon, seine Position regelmäßig zu verändern und Bewegung in den Alltag einzubauen, als davon, permanent eine vermeintlich perfekte Körperhaltung einzunehmen.
Auch ein gezielter Aufbau der Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur kann langfristig sinnvoll sein. Wärme wird von vielen Menschen bei muskulären Beschwerden als angenehm empfunden.
Entscheidend ist jedoch die Reaktion des Körpers: Verstärken bestimmte Übungen die Schmerzen deutlich oder bestehen die Beschwerden trotz eigener Maßnahmen über längere Zeit fort, sollte die Ursache genauer untersucht werden.
Wann können Triggerpunkte gezielt behandelt werden?
Werden myofasziale Triggerpunkte als relevante Schmerzquelle identifiziert, können sie gezielt behandelt werden. Dabei stehen verschiedene manuelle und invasive Verfahren zur Verfügung.
Bei der Triggerpunkttherapie werden die betroffenen Muskelbereiche gezielt aufgesucht und behandelt. Je nach Befund können dabei auch spezielle Nadeltechniken eingesetzt werden.
Wie eine solche Behandlung funktioniert, wann sie infrage kommt und welche Rolle Nadeltechniken dabei spielen, erklären wir ausführlich auf unserer Seite zur Triggerpunkttherapie bei ORTHO EINS.
Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Nicht die Therapie bestimmt die Diagnose, sondern die Diagnose die Therapie. Eine Triggerpunktbehandlung ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Muskulatur tatsächlich einen relevanten Anteil an den Beschwerden hat.
Wann sollten Nacken- und Schulterschmerzen ärztlich abgeklärt werden?
Vorübergehende muskuläre Beschwerden sind häufig und zunächst nicht ungewöhnlich. Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn Schmerzen über längere Zeit bestehen, regelmäßig wiederkehren oder deutlich zunehmen.
Auch ausgeprägte Bewegungseinschränkungen oder Beschwerden nach einer Verletzung sollten untersucht werden. Gleiches gilt, wenn zusätzlich neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Kraftverlust auftreten.
Ziel der Untersuchung ist dann nicht lediglich, eine Muskelverspannung festzustellen, sondern andere mögliche Ursachen zu erkennen oder auszuschließen und die Behandlung daran auszurichten.
Myofasziale Schmerzen richtig einordnen
Triggerpunkte zeigen anschaulich, warum die Suche nach der Ursache orthopädischer Beschwerden manchmal komplexer ist als die Frage nach dem Ort des Schmerzes.
Gerade im Schulter-Nacken-Bereich können Muskulatur, Gelenke, Sehnen, Wirbelsäule und Nervenstrukturen ähnliche oder sich überlagernde Beschwerden verursachen. Myofasziale Triggerpunkte sind dabei eine mögliche Schmerzquelle, aber nicht automatisch die Erklärung für jeden Nacken- oder Schulterschmerz.
Für Dr. Christopher Topar und das Team von ORTHO EINS in Berlin ist deshalb die differenzierte Diagnose entscheidend. Wird ein relevanter myofaszialer Anteil festgestellt, kann die Triggerpunkttherapie ein Baustein der konservativen orthopädischen Behandlung sein.
Häufige Fragen zu Triggerpunkten und myofaszialen Schmerzen
Wie fühlt sich ein Triggerpunkt an?
Triggerpunkte können als besonders druckempfindliche oder verhärtete Bereiche innerhalb eines Muskels auffallen. Druck auf einen solchen Punkt kann einen lokalen Schmerz auslösen oder Beschwerden in eine andere Region übertragen.
Können Triggerpunkte Schmerzen ausstralhen?
Ja. Übertragene Schmerzen gehören zu den typischen Merkmalen myofaszialer Triggerpunkte. Die wahrgenommene Schmerzregion kann deshalb von der eigentlichen muskulären Schmerzquelle entfernt liegen.
Können Triggerpunkte von allein verschwinden?
Vorübergehende muskuläre Beschwerden können sich wieder zurückbilden. Bestehen auslösende oder aufrechterhaltende Faktoren fort, können Beschwerden jedoch auch länger anhalten oder wiederkehren.
Sind Nackenschmerzen meistens Triggerpunkte?
Nein. Nackenschmerzen können zahlreiche Ursachen haben. Neben muskulären Faktoren kommen unter anderem Veränderungen an der Halswirbelsäule, Gelenken oder Nervenstrukturen infrage. Deshalb sollte bei anhaltenden Beschwerden nicht automatisch von Triggerpunkten ausgegangen werden.
Was ist der Unterschied zwischen Triggerpunkttherapie und Dry Needling?
Triggerpunkttherapie ist ein übergeordneter Behandlungsansatz für myofasziale Triggerpunkte und kann unterschiedliche Techniken umfassen. Dry Needling bezeichnet eine Nadeltechnik, bei der Triggerpunkte gezielt mit einer dünnen Nadel behandelt werden, ohne dass dabei ein Medikament injiziert wird.
Kann man Triggerpunkte selbst behandeln?
Bewegung, Wärme, Belastungswechsel und gezielte Übungen können bei muskulären Beschwerden sinnvoll sein. Bei anhaltenden, wiederkehrenden oder ausstrahlenden Schmerzen ist jedoch eine fachliche Abklärung empfehlenswert, da nicht jeder vermeintliche Triggerpunkt tatsächlich die Ursache der Beschwerden ist.